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Bayreuth braucht keine Starthilfe

Wolfram Weimer hat es wieder einmal bewiesen: Popkultur ist ihm suspekt. Er legt er die Axt ausgerechnet bei denjenigen an, die Kulturförderung als Initialzündung für ihre Karrieren brauchen. Die neuesten Kürzungspläne des Kulturstaatsministers spiegeln das leider mehr als deutlich wider. Wer Programme für Amateurmusik eindampft, den Förderfonds für Festivals halbiert und mit der Initiative Musik einen der wichtigsten Fonds für Popmusik und Nachwuchsförderung austrocknet, will ganz offensichtlich keine neuen Impulse in der Kulturlandschaft. Stattdessen setzt Weimer wie so oft auf vermeintlich etablierte, deutsche Traditionen. Glamour statt kritischer Auseinandersetzung. Wieder einmal will er entscheiden, was gute Kultur ist und was weg kann. 

Besonders deutlich zeigt sich das bei den Kürzungsplänen anhand zweier Großveranstaltungen: Während das Hamburger Reeperbahnfestival mehr als die Hälfte einsparen soll, bekommen die Bayreuther Festspiele sogar eine Finanzspritze von einer Million Euro. Für das Reeperbahnfestival ein schwerer Schlag. Es bietet schon immer bewusst eine Bühne auch für junge, alternative Popmusik. Hier werden Talente erkannt, bevor sie berühmt werden, und dürfen sich erstmals ausprobieren. Mit weniger Geld wird das natürlich schwierig zu stemmen.

Gleichzeitig bekommt mit den Wagner-Festspielen eines der größten und bekanntesten Festivals noch einmal mehr Geld vom Bund. Obwohl gerade sie als besonders klassisch und teilweise sogar reaktionär gelten. Weimer setzt auf Willkür und Walküren. Das ist jungen Musikerinnen und Musikern einfach nicht zu vermitteln.

Natürlich, jeder zusätzliche Euro für die Kultur ist erst einmal gut. Und nichts gegen Wagner, auch das gehört zu unserer deutschen Kultur und darf gefördert werden. Aber durch den Kontrast in diesem Haushaltsplan entsteht ein Beigeschmack. Bayreuth braucht sicherlich keine Starthilfe mehr. Wenn wir schon überall sonst sparen, lässt diese Entscheidung persönliche Vorlieben vermuten. Wolfram Weimer versucht immer wieder, seiner Vorstellung von Leitkultur den Vorzug zu geben. Alle, die nicht ins Muster passen, fühlen sich angezählt. 

Und es ist ja nicht die erste Einmischung des Kulturstaatsministers in Preisvergaben, Jurybesetzungen und Personalien. Im deutschen Kulturbetrieb herrscht gerade große Verunsicherung. Junge Kreative berichten jetzt schon von Selbstzensur, weil sie sonst die Ungnade des Bundes fürchten. Das ist ein Klima, dass in einer freien Kulturlandschaft niemals entstehen darf. Leider passt das in ein Muster, dass wir überall in Europa sehen: Kulturpolitik wird zum ideologischen Schlachtfeld. Ungarn, die Slowakei und Italien haben bereits vorgemacht, wie eine freie und kritische Kultur schrittweise mundtot gemacht wird. Wolfram Weimer lässt nun in Deutschland die gleiche Sorge entstehen.

 

Als höchste Kulturpolitikerin im Europaparlament plane ich derzeit Initiativen, um Europas Kulturfreiheit gegen ideologische Unterwanderung abzusichern. Im Herbst werde ich dafür konkrete Pläne vorlegen.

 

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